Warum ich meine Nähprojekte plane & …

… vor allen Dingen wie

Kennst Du auch diese Lust-Projekte? Bis vor ungefähr zwei Jahren habe ich nach dem Lustprinzip genäht & so sah es in meinem Kleiderschrank dann auch aus! Ich liebe Farben, ich liebe Kleider, ich liebe ausgefallene Teile … So könnte ich noch eine ganze Zeit weitermachen!
Dementsprechend sah mein Schrankinhalt dann auch aus: bunt, laut, voller Einzelteile.

Irgendwie war das ganz schön frustrierend, denn ich habe nicht nur so genäht, sondern auch entsprechend eingekauft. Alles nähe ich ja nicht selbst.
Also habe ich damit angefangen mich mit der Frage zu beschäftigen, wie ich es insofern besser machen kann, dass ich wieder Spaß daran habe mich zu kleiden & die tägliche Auswahl mit Freude zu treffen.

Hier kommen meine Fragen, die ich mir heutzutage stelle, bevor ich mich um Schnitt & Material für ein Nähprojekt kümmere:

I. Braucht mein Freudenspender* ein solches Teil?
Mein Herz schreit in der Regel ganz laut JAAAAAAA, doch hier darf mein Kopf definitiv mitreden. Denn mein Kopf sagt NEIN, wenn ich mir die zehnte blau-weiß gestreifte Bluse nähen will (bisher sind es zwei & ich denke so zwei bis drei gehen schon noch; ja, da habe ich wohl einen Tick …)!
Wenn ich mir allerdings einen neuen Blazer in meiner Lieblingsfarbe blau nähen will, der nun ausnahmsweise gefüttert wird & der in einer Länge sein wird, die ich noch nicht habe, sagt mein Kopf sehr wohl JAAAAAAA mit der gleichen Begeisterung wie mein Herz.

II. Entspricht das Teil meinem Stil & meiner Körperform?
Hier darf mein Kopf das Ruder behalten! Schließlich will ich meine Kreativität, meine Zeit & mein Herzblut wirklich nur in Teile stecken, die auch wirklich zu mir passen. Zum Beispiel mag ich an anderen Frauen Rüschenkleider, doch an mir kommt beim Blick in den Spiegel eine Assoziation in mir auf, bei dem ich ziemlich breit grinse … Mädchenhafte Teile mag ich dagegen schon, denn meine Kleider sind häufig schlicht & doch mädchenhaft geschnitten. Das bin ich! Diese Klarheit habe ich durch liebevolle professionelle Begleitung & Ausprobieren gewonnen.
Ich kenne meine Körperformen & weiß wie ich sie bestmöglich verpacke, je nachdem, wie ich wirken will. Passt das Teil also zu mir, geht es weiter mit Frage III. …

III. Passt das Teil zum Rest meiner Garderobe?
Hier hilft ein Blick in meinen Freudenspender, denn dann ist ganz schnell klar, ob und wie gut sich das gewünschte neue Teil in den Rest meiner Garderobe einfügt. Nur wenn ich mindestens 5 Kombinationsmöglichkeiten habe, gibt es bei dieser Frage grünes Licht! Meist sind es allerdings weitaus mehr Kombinationsmöglichkeiten. Denn da ich meine Farben klar habe und diese nicht mehr einen Regenbogen bilden, kann ich mindestens 90% meiner Garderobe miteinander kombinieren.
Ein weiterer Aspekt bei dieser Frage ist, ob ich denn auch Gelegenheit habe das Teil zu tragen. Mir schwirrt immer noch ein wirklich zauberhaftes Kleid von Dolce & Gabbana durch den Kopf, dass ich Ende der 90er Jahre anprobiert habe. Bisher habe ich allerdings keine Gelegenheit ein Abendkleid zu tragen. Sollte sich dies irgendwann ergeben, werde ich wohl dieses Kleid abgestimmt auf meinen heutigen Körper schneidern. Auf der Pinnwand in meinem Hirn ist die technische Zeichnung immer noch fest angepinnt!

IV. Brauche ich das Teil jetzt oder kann es warten?
Ja, grundsätzlich bin ich begeistert von antizyklischem Handeln. Ich kaufe gerne im Herbst/ Winter Sommersachen & umgekehrt. Das gleiche gilt auch für das Kaufen von Materialien, da sie dann oft deutlich günstiger sind. Meine Vorliebe für Uni-Stoffe & Ringel hilft mir da natürlich, denn Trends & wilde Muster interessieren mich nämlich nicht die Bohne …
Also frage ich mich, ob ich das Teil nun auch jetzt sofort brauche oder ob es noch warten kann. Ich will zum Beispiel unbedingt ein weißes bodenlanges Ibiza-Kleid. Tragen kann ich es vor dem nächsten Sommer auf gar keinen Fall. Der dunkelblaue, gefütterte Blazer wird mich während der Herbst/Winter Saison definitiv regelmäßig begleiten.
Was denkst Du also, wofür ich mich entscheiden werde?
Im Mai würde meine Entscheidung hier definitiv anders ausfallen, doch jetzt ist Oktober & somit steht die Blazerampel auf grün & das Ibizakleid steht noch ein wenig an der roten Ampel.

V. Welches Material & welche Farbe passen zu dem Teil, zu mir & fehlen noch in meinem Freudenspender?
Also, das Teil & die Farbe habe ich ja irgendwie schon klar. Also es wird ein blauer Blazer! Jetzt geht es um das Material. Einen dunkelblauen Samtblazer habe ich bereits, also fällt dieses Material raus. Da der Blazer gefüttert werden soll, steht hier auch eine Entscheidung an. Mein Blazer soll Stand haben & einen sportlich chicen Stil transportieren.
Ich mag nicht so wirklich gerne Kunstfasern, also wird der Blazer aus Twill sein & das Futter wird aus Viskose sein.
Irgendwie freue ich mich ja jetzt schon auf den fertigen Blazer!
Siehst Du wie viel leichter die Entscheidungen fallen, wenn Du Klarheit hast?

VI. Welche Details kann ich einbauen, damit es ganz MEINS ist?
Vielleicht ist es Dir schon aufgefallen, dass ich gerne besondere Details mag an meinen Kleidungsstücken. Der dunkelblaue Stoff ist sehr schlicht & das Futter ist ebenfalls dunkelblau mit Paisley-Muster Ton in Ton.
Da ich im Herbst/Winter meist rot als Kombination zu dunkelblau trage werde ich zwischen Futter und Beleg noch rotes Paspelband einarbeiten & als besonderes Highlight habe ich die Expertin für Veredelung aus meinem Onlinekurs gebeten mir eine Stickerei auf den Blazer zu arbeiten. Irgendwie freue ich mich ja jetzt schon wie bolle!
Wie siehst Du das? Magst Du besondere Details oder hast Du es lieber ganz pur?

Für mich ist dieser Entscheidungsprozess unheimlich wichtig, weil ich auf gar keinen Fall ein riesiges Stofflager haben möchte & auch nicht meinen Schrank proppenvoll haben will!
Ich mag es schon eine gute & für mich ausreichende Auswahl zu haben, doch ein Übermaß an Fülle erschlägt mich eher, als dass es mich erfreut.

Vielleicht hilft Dir meine Fragen-Liste ja auch bei der Entscheidung was Du als Nächstes nähen willst, wenn zu viele Ideen & Wünsche in Deinem Kopf herumschwirren!

Wie immer freue ich mich, wenn Du mir ein Feedback zu Deiner Sichtweise gibst & bin gespannt, wie Du Deine Nähprojekte planst!

Ich wünsche Dir jetzt einen wunderbaren Sonntag & ein wenig (Näh) Zeit für ein tolles Projekt ♥️

* so nenne ich meinen Kleiderschrank

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